Geschirr und Halsband

 

Geschirr oder Halsband – eine Frage, die immer wieder aufgeworfen und heiss diskutiert wird. Nach wie vor hat das Halsband eher mehr Anhänger und wird in vielen Hundeschulen empfohlen, weil dadurch der Hund einfacher und direkter korrigiert werden könne, wenn er etwas nicht richtig macht. Korrektur in diesem Sinne heisst für mich aber eindeutig, den Hund durch einen Leinenruck für Fehler zu bestrafen, wovon ich in der Hundeerziehung gern absehen möchte.

 

Grundsätzlich habe ich absolut nichts gegen ein Halsband einzuwenden, wenn garantiert werden kann, dass der Hund weder an der Leine zieht noch ruckartig ins Halsband springt, und dass der Mensch seinerseits genauso wenig Zug oder Rucke über die Leine ausübt. Noch besser finde ich das Halsband, wenn überhaupt keine Leine dranhängt.

 

Ich persönlich führe Mairin fast ausschliesslich am Geschirr. Da sind natürlich medizinische Gründe, die überhaupt nicht von der Hand gewiesen werden können: ein Halsband unter Zug übt Druck auf Speise- und Luftröhre sowie den Kehlkopf aus, was oft an Hunden beobachtet werden kann, die an der Leine ziehen und ständig husten müssen. Das kann erheblichen Schaden anrichten besonders bei kurzen, heftigen Rucken. Auch die Wirbelsäule leidet unter dem Halsband, wenn der Hund ruckartig in die Leine springt, das kann bis zu Wirbelverschiebungen gehen. Ausserdem wird die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn bei Zug auf dem Halsband eingeschränkt, wodurch gerade Hunde, die in Stresssituationen an der Leine ziehen noch mehr in Stress geraten und sich überhaupt nicht mehr beruhigen können – da hilft dann auch mehrmaliges Rucken nicht mehr.

 

Da Mairin von Welpenalter an gelernt hat, sauber an der Leine zu gehen, würde bei ihr praktisch nie Zug auf das Halsband wirken. Gefährliche, ruckartige Sprünge könnte ich allerdings nicht ausschliessen, da sich Mairin im Quartier von Katzen oder im Wald von Wild und anderem Getier so anstacheln lässt, dass sie schon manchmal vorprescht und in die Leine springt.

 

Auch aus verhaltensbiologischer Sicht kann das Halsband als bedenklich eingestuft werden. Der Hals des Hundes ist eine seiner sozial empfänglichsten Stellen. Nur enge Vertraute lässt der Hund bereitwillig an seinen Hals, und wenn ein Feind an seiner Kehle ist, ist das kein gutes Gefühl für das Tier. Es gibt deswegen einige, wenn auch sehr wenige Hunde, die mit dem Halsband grösste Mühe haben, da die ständige Berührung an dieser empfindlichen Stelle Dauerstress verursacht. Dies wird bei sorgfältig aufgezogenen Welpen nicht der Fall sein, da der Züchter sie im besten Fall schon früh an das Halsband gewöhnt und es ihnen täglich für eine gewisse Zeit überstreift, ohne eine Leine einzuklinken. Mairin zum Beispiel hat überhaupt keine Mühe damit, ein Halsband zu tragen. Zug am Halsband verträgt sie allerdings überhaupt nicht.

 

Der wichtigste Grund für das Geschirr bin letztlich ich selber. Ich kann ganz einfach nicht garantieren, dass ich nicht im Zorn oder der Ungeduld einmal an der Leine rucke. Garantiert keine Lösung für das Problem, das der Wut zugrunde liegt, aber der Mensch macht nun mal Fehler. Über das Geschirr richtet der Ruck zumindest weniger Schaden an als über das Halsband, und auch wenn das die Methode ganz sicher nicht legitimiert, so schmälert es doch die erheblichen Gefahren, die daraus resultieren.

 

Persönlich würde ich das Geschirr also grundsätzlich allen Hundehaltern empfehlen, ganz besonders aber jenen, die einen Hund haben, der konstant an der Leine zieht oder sich in Stresssituationen immer mehr hochschaukelt und am Ende nur noch in der Leine hängt. Es ist aber ganz sicher nicht an mir, jemanden zu verurteilen, der seinen Hund lieber am Halsband führt, und ich kann auch verstehen, dass es manche gibt, denen ein Geschirr zu umständlich ist. Hierzu möchte ich allerdings erwähnen, dass es mittlerweile viele Geschirre gibt, die in der Handhabung schon sehr einfach sind. Natürlich wird ein Geschirr aber niemals den „Einfach-Überziehen“ – Vorteil erlangen, den das Halsband nun einmal bietet.

 

Den oft gehörten Einwand, dass ein Hund im Geschirr erst recht lerne, an der Leine zu ziehen, oder im Geschirr gar nicht mehr zu halten sei, ist für mich kein legitimer Einwand. Denn ersteres ist keine Frage des Hilfsmittels, sondern eine Frage der Erziehung. Auch im Geschirr kann ein Hund lernen, sauber an der Leine zu gehen. Nur muss man daran arbeiten und kann dem Hund nicht über einen schmerzhaften Zug zu verstehen geben, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist – eine Methode, die sowieso nur bei wenigen Hunden etwas nützt. Und zieht ein Hund im Geschirr noch mehr als am Halsband lässt sich daraus rückschliessen, dass er nur wegen dem Schmerz, der vom Halsband auf den Hals wirkte, nicht gezogen hat.

 

Ein Geschirr ist allerdings nur so gut, wie es sitzt. Schlecht sitzende Geschirre sind nicht besser als ein Halsband und können genau so viel Schaden anrichten. Einen kurzen Überblick über Geschirrarten und Erfahrungsberichte zu Geschirren, die Mairin und ich erprobt haben, gibt es hier.

 

In verschiedenen Situationen trägt Mairin auch mal ein Halsband, so zum Beispiel beim Discdogging, wenn keine Leine dranhängt, oder auch mal zum Geschirr dazu, damit ich sie zum Beispiel ohne Geschirr schwimmen schicken kann. Zu Halsbändern habe ich eine zwiespältige Einstellung: Ich brauche sie eigentlich kaum, finde sie aber toll, weil es sie in wunderschönen Farben und Ausführungen gibt und man eine Hundemarke daran befestigen kann. Deshalb kommt es schon mal vor, dass ich völlig unnötigerweise ein Halsband kaufe und Mairin es dann Zuhause immer mal wieder trägt, weil es mir so gut gefällt.

 

Wir bevorzugen eigentlich Zugstopp-Halsbänder, weil man die einfach über den Kopf streifen kann, sie keinen Verschluss haben, in dem sich Mairins langes Haar verfangen könnte und sie generell schön locker um den Hals hängen, wenn kein Zug darauf ist. Soll eine Leine ans Halsband dran, finde ich, dass das Halsband eine gute Breite haben (bei Mairin mindestens 2.5 cm) und vernünftig gepolstert sein sollte.

 

Eins unserer Lieblingshalsbänder, an das wir aber kaum je eine Leine hängen, ist wohl das Tahitan Sky von Dublin Dog, das aus einem absolut bakterienresistenten Naturkautschuk besteht und dadurch keimfrei, geruchsfrei und schmutzabweisend ist.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    susan.felchlin@gmx.ch (Sonntag, 05 Oktober 2014 19:36)

    hallo anne
    toller Beitrag zu Halsband/Geschirr und Leine!!! wo beziehst du die Halsbänder von Dublin dog? kriegt man diese auch in der Schweiz?