Weissbedingte Taubheit

 

Pigmentzellen spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Hör- und Sehvermögen. Hunde mit zu viel Weiss, oder besser: zu wenig Farbe, können unter Umständen ein- oder beidseitig taub, blind oder beides sein. Die äussere Färbung (weisse Ohren, weiss um die Augen, oft rosa Lid und blaue Iris) kann ein Indiz dafür sein, dass das Pigment auch im Inneren fehlt, muss aber nicht. Mairins rechtes Auge zum Beispiel ist blau mit rosafarbenem (unpigmentiertem) Lid, und die ganze rechte Gesichtshälfte ist schneeweiss. Dennoch sieht Mairin problemlos. Auf dem rechten Ohr hingegen, das leichte Farbränder aufweist, ist sie vollkommen taub.


Um nachvollziehen zu können, wie genau die weissbedingte Taubheit zustande kommt, muss man sich zuallererst Aufbau und Funktion des Ohrs vor Augen führen. Das Ohr besteht generell aus dem Aussen-, dem Mittel- und dem Innenohr. Das Aussenohr besteht aus dem Gehörgang, und wird durch das Trommelfell vom Mittelohr abgetrennt. Das Mittelohr wiederum ist aus den Gehörknöchelchen, Hammer, Amboss und Steigbügel, aufgebaut. Das Innenohr seinerseits besteht aus Chochlea (Hörschnecke), Vestibulum und den Bogengängen, die für das Gleichgewicht verantwortlich sind.


Für die Taubheit bedeutend ist die Chochlea. Bis dahin verläuft auch bei Mairin der Hörvorgang wie bei einem gesunden Hund: Töne gelangen als Schallwellen durch den Gehörgang ans Trommelfell und versetzen dieses in Schwingung. Über Hammer, Amboss und Steigbügel werden diese Vibrationen transformiert und ans Innenohr weitergeleitet. Dort treffen die Schwingungen auf die Chochlea.


Innerhalb der Chochlea befindet sich eine Membran mit dem Corti-Organ, kleinen Haarzellen, die von Flüssigkeit umgeben sind und dazu dienen, den bis anhin mechanischen Reiz (Schwingungen) in einen elektrischen Nervenreiz umzuwandeln, der über den Hörnerv zum Hirnstamm gelangt. Hier erst setzt der weissbedingte Defekt ein, denn diese Haarzellen benötigen eine Pigmentzelle, um den Reiz überhaupt umwandeln zu können. Fehlt das Pigment vollständig, wie bei Mairin, kann der Umwandlungsprozess nicht stattfinden und damit kein Nervenreiz ausgesandt werden. Im Gehirn kommt also keine Toninformation an.

 

Ausserdem sorgen die Pigmentzellen im Innenohr für eine hohe Kaliumkonzentration in der Flüssigkeit der Chochlea. Fehlt das Pigment, wird die Chochlea wesentlich schlechter durchblutet, was ebenfalls als Ursache für teilweise oder ganze Taubheit angenommen wird.


 

Ausgetestet wird das Hörvermögen bei gefährdeten Rassen bereits beim Welpen. Es ist bei Weitem nicht nur der Aussie betroffen, auch viele andere Rassen, besonders solche, die das Merle-Gen aufweisen, können von diesem Problem betroffen sein. Mittels audiometrischem Test wird ermittelt, ob und wie stark ein Hund schwerhörig oder taub ist.


Beim audiometrischen Test werden dem Hund feine Nadelelektroden unter die Haut an der Schädeloberfläche geschoben und mittels Ohrstöpseln akustische Reize in Form von Klicklauten in verschiedenen Lautstärken ans Innenohr abgegeben. Über die Nadelelektroden kann nun gemessen werden, ob die ausgelösten Potenziale an ihrem Zielort im Gehirn auch ankommen. Dies ergibt eine audiometrische Kurve, das Audiogramm, aus welchem ersichtlich wird, ob der Hund hören kann, teilweise hören kann oder gar nicht hören kann.

 

 

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